Glossar

Das DSSW-Glossar bietet Erläuterungen zu zentralen Begriffen der Innenstadtentwicklung. Das Glossar versteht sich dabei nicht als Lexikon mit Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Vielmehr sollen darin unsere Erkenntnisse und Erfahrungen vermittelt und Hinweise zu DSSW-Publikationen und -Projekten sowie weiterführender Literatur gegeben werden.

Gerne greifen wir Ihre Vorschläge und Anregungen auf! Schicken Sie uns Ihre Ideen an Isabell Henel, E-Mail i.henel@deutscher-verband.org.


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Der Begriff Markthandel umfasst alle vor Ort und nicht in stationären Geschäften stattfindenden Handelsformen. Alternativ sind auch die Begriffe „mobiler“ und „ambulanter Handel“ gebräuchlich, welche den nicht stationären Aspekt betonen.

Betrachtet werden alle Ausprägungen von Märkten, vom fliegenden Handel über Wochenmärkte bis hin zu Spezial-, Floh- und Weihnachtsmärkten.

  • In ihren unterschiedlichen Ausprägungen haben Märkte verschiedene stadträumliche Funktionen vom Nahversorger, touristischen Attraktionspunkt bis hin zum Nischenanbieter. Gemein ist allen Märkten die Aufwertung des öffentlichen Raums durch die Steigerung von Besucherfrequenzen auf der einen, die Vermittlung von sozialer Atmosphäre und Einkaufserlebnis auf der anderen Seite.
  • In ihren unterschiedlichen räumlichen Ausprägungen weisen Märkte verschiedene Konsolidierungsgrade vom Bauchladen bis hin zur Markthalle auf.
  • Die Häufigkeit und der Zeitpunkt von Märkten ist kennzeichnend für ihre Attraktivität: Märkte, die in ihren Öffnungszeiten der Freizeit von Berufstätigen und Familien (Abend, Wochenende) angepasst sind, ziehen ein breiteres und kaufkräftigeres Publikum an als Märkte, die unter der Woche mittags oder nachmittags stattfinden. Darüber hinaus verfügen monatlich, saisonal oder jährlich stattfindende Spezialmärkte über besonderen Kundenzuspruch durch ihren Eventcharakter, der durch spezielle Gastronomie- und Unterhaltungsangebote (Kirmes, Weihnachtsmarkt) unterstrichen wird.
  • Ein grundsätzliches Unterscheidungskriterium von Markttypen liegt in der Angebotspalette. Reine Lebensmittelmärkte (Food) werden von gemischten Märkten und von Non-Food-Märkten abgegrenzt. Märkte mit besonderem Thema oder Erlebnischarakter sind einer weiteren Kategorie der Eventmärkte zuzuordnen.

Das DSSW verfolgt seit 1999 kontinuierlich die Entwicklung des Markthandels und konnte das Wissen darüber zunächst auf deutscher, seit 2006 auch auf europäischer Ebene ausbauen. Hinter unserem Engagement für dieses Thema steht die wiederholte Erkenntnis darüber, welche Synergien Märkte als Anziehungspunkte öffentlichen Lebens und lokaler Wirtschaft mit ihrem städtischen Umfeld erzeugen. Aktuelle Ergebnisse der europaweiten Recherchen sind in der Publikation „Markthandel als Kristallisationspunkt von Unternehmertum und lokaler Wirtschaft: Beispiele und Förderansätze aus europäischen Städten“ zusammengefasst (siehe unten: DSSW-Materialien).

Dem Markthandel kommt in verschiedenen europäischen Ländern und Kulturkreisen unterschiedliche Bedeutung zu. Während sein Anteil am Einzelhandelsumsatz in Deutschland zum Beispiel mit 0,35 % eher marginal ist, beträgt er in Italien immerhin um die 1,9 % (mehr zur Abfrage solcher Eurostat-Daten unten: weitere Informationen). Auch die Haltung im Umgang mit Märkten variiert von Land zu Land, entsprechend den Organisationsstrukturen und Rahmenbedingungen. So existiert in Barcelona zum Beispiel ein kommunales Marktinstitut (IMMB), das mit weit reichenden planerischen Befugnissen und finanziellen Ressourcen ausgestattet ist, um die dort vorhandenen Strukturen von Markthallen punktuell auszubauen und als Quartierszentren zu fördern (vergleiche auch Vortrag von Jordi Tolrá zur DSSW-Expertenrunde vom 24. Februar 2007, siehe unten: Dokumentation bei DSSW Materialien).

Aus Unternehmersicht bieten Märkte in ihren verschiedenen Ausprägungen den Vorteil der Nähe zum Kunden, der Möglichkeit zur Konzentration vielfältiger Angebote auf engem Raum und jenen schwer zu quantifizierenden Erlebnischarakter, der für Kaufentscheidungen gegenwärtig immer wichtiger wird. Als eine der flexibelsten Vertriebsformen mit geringen finanziellen Einstiegshürden sind Märkte die erste Handelsadresse für Unternehmer und Existenzgründer ohne stationäres Geschäft. Dieses integrative Potenzial der Märkte für unternehmerische Aktivität, aber auch für die lokale Ökonomie insgesamt sollte gezielt gefördert werden. Anders als Existenzgründerzentren, die staatlich subventioniert sind und naturgemäß stark begrenzte Aufnahmekapazitäten haben, bietet die Bandbreite von Markttypen von Wochen- über Floh-, Handwerker-, Kunst-, Spezial- bis hin zu Saison- und Weihnachtsmärkten eine ideale Plattform, um den Verkaufserfolg neuer Produkte in kleinen Stückmengen auszutesten. Auch für ethnische Ökonomien mit oftmals ausgeprägter Markttradition bildet der mobile Handel ein Auffangbecken und die Anlaufstelle zur sozialen Organisation, wo staatliche Subventionen fehlen oder nicht greifen.

Die körperlich anstrengende Arbeit und verhältnismäßig geringe Renditen erschweren es vielen Wochenmärkten europaweit, die Unternehmensnachfolge sicher zu stellen. In diesem Zusammenhang kommt Teilzeithändlern eine wichtige Rolle zu. Einerseits beleben sie als Neuzugang das Marktgeschehen, andererseits gewinnt so der mobile Handel als paralleler, ergänzender Vertriebsweg oder zweites Standbein an Bedeutung.

Bislang ungenutzte Potenziale zur Professionalisierung von Markthändlern liegen in der Vernetzung der privaten und öffentlichen Beratungsangebote für Existenzgründer und Unternehmer im Markthandel. Eine bedarfsgerechte Begleitung und Finanzierung für Kleinunternehmen im mobilen Handel würde eine Beteiligung von Mikrofinanzierungs-Institutionen erfordern. Für die Ausrichtung von Finanzierungs- und Beratungsangeboten auf mobile Händler (auch im Teilzeitbereich) müsste zunächst jedoch ein Umdenken stattfinden. Die Bandbreite von Markthändlern „als hart arbeitende Unternehmer, die ihren eigenen Unternehmerstolz haben“ (Evers und Lahn, unveröffentlichtes Thesenpapier zur DSSW-Expertenrunde am 24. Februar 2007 in Bonn) anzuerkennen, ist eine Voraussetzung, um ihren Beitrag zur Entwicklung lokaler Ökonomie zu fördern.

DSSW-Projektseiten

DSSW-Studie: Mobiler Handel als Wirtschaftsförderungs- und Unternehmensmodell

DSSW-Schriften

Leitfaden: Wochenmärkte - Merkmale und Entwicklungspotenziale, DSSW-Schriften 41 (2003)
zur Bestellung

DSSW-Materialien

DSSW-Studie: Markthandel als Kristallisationspunkt von Unternehmen und lokaler Wirtschaft: Beispiele und Förderansätze aus europäischen Städten (2008)
zum Download

Dokumentation: Expertenrunde Markthandel am 24. Februar 2007 in Bonn (2007)
zum Download

DSSW-Studie: Der Markthandel in ostdeutschen Innenstädten (1999)
zum Download

DSSW-Arbeitshilfen

Fragebögen - Veränderbare Kopiervorlagen zur DSSW-Schrift 41 Wochenmärkte - Merkmale und Entwicklungspotenziale (2003)
zum Download

DSSW-Artikel

Städte als Projektentwickler attraktiver Märkte: Fördern und Gestalten im lokalen Interesse, S. 5-6 im DV aktuell September 2007

Mehr als Lebensmittel - Europäische Marktmodelle im Vergleich, S. 7 im DV aktuell März 2007


Weitere Informationen

Die oben im Text genannten Daten für den Anteil des Markthandels am Einzelhandelsumsatz gelten für das Jahr 2005 und sind der online Eurostat-Datenbank entnommen. Entsprechende Wirtschaftsdaten zum Markthandel finden Sie hier 
über den Verzeichnisbaum entlang dieser Abfolge:

  • Industrie, Handel und Dienstleistungen - horizontale Ansicht
  • Strukturelle Unternehmensstatistik (Industrie, Baugewerbe, Handel und Dienstleistungen)
  • Jährliche Unternehmensstatistiken
  • Jährliche Handelsstatistiken (Anhang 3) - (Nace Rev.1 : G).

Die Ermittlung des Anteils der Umsätze im Markthandel am gesamten Einzelhandelsumsatz erfolgt durch Abfrage und Gegenüberstellung der Werte zu „Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen); Reparatur von Gebrauchsgütern“ (NACE-Code G52) und zu „Einzelhandel an Verkaufsständen und auf Märkten“ (NACE-Code G5262).


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Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft
im Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V.